Shou Sugi Ban: Holzbearbeitung mit Feuer

Shou Sugi Ban
Irgendwo, sehr wahrscheinlich auf YouTube, sah ich mal eine andere Art der Holzbearbeitung statt immer nur streichen, welche mich sehr ansprach und ich dachte, dass muss ich unbedingt ausprobieren. Um so mehr natürlich, da streichen nicht gerade zu meiner Lieblingsbeschäftigung gehört. Shou Sugi Ban heisst die alte japanische Methode.

Für die die nicht lesen mögen, findet sich ganz unten ein kleines Video, wo ich meinen Test zusmmengefasst habe.

Was ist den Shou Sugi Ban genau?

Shou Sugi Ban ist eine alte, so zu sagen antike, Variante der Holzkonservierung. Mit dem Shou Sugi Ban Verfahren wurde oder wird das Holz gegen Fäulnis und Insekten geschützt. Durch die kontrollierte Verkohlung der äusseren Holzschicht, wird das Material konserviert. Die Kohle bildet so einen natürlichen Schutz gegen Pilze und Ungeziefer. Farbeanstriche oder chemische Holzschutzmittel sind nach der Shou Sugi Ban Behandlung nicht mehr nötig.

Nebst dem Begriff Shou Sugi Ban gehört eigentlich auch noch der Begriff Yakisuig. Beides bezeichnet die japanische traditionelle Technik, Holz kontrolliert zu verkohlen. So wie ich weiter gelesen habe, wird dazu grundsätzlich vor allem Sugi – japaniesches Zeder Holz – verwendet. Laut einem Bericht von Houzz, übersteht eine Shou Sugi Ban behandelte Fassade bis zu 80 Jahren ohne Nachbehandlung.

Was braucht es für Shou Sugi Ban?

Klar, wollte ich das selber ausprobieren. Nur wie? Klar, ein Fall für YouTube. Als erstes bin ich über dieses Video gestolpert.

Holz hatte ich natürlich noch an Lager, kein Sugi, aber sonst ein Resten, welcher absolut reichen würde zum testen. Allerdings fehlte mir noch ein Brenner und eine Drahtbürste. Als Drahtbürste würde es allerdings auch die Grill-Bürste tun. Nichts wie ab in den Baumarkt und ein Brenner kaufen. Ich hatte Glück und fand eine Lötlampe inkl. fünf Gasbüchsen für sagenhafte CHF 9.95. Daher leistete ich mir dann auch gleich noch eine saubere Drahtbürste für CHF 6.95. Alles in allem ein Schnäppchen.

Lötlampe für den Shou Sugi Ban Test

Ran an der Brenner

Feuer und geschlossene Räume sind jetzt ja nicht so der Hit, darum verschob ich mein kleines Experiment vom Hobbyraum hoch auf den Balkon. Brenner auspacken und erst mal die Anleitung studieren. Ganz wichtig, und ich habe mich auch artig daran gehalten, die Einbrennzeit für meine Lötlampe beträgt vier Minuten. Das soll verhindern, dass flüssiges Gas in die Flamme gelangen soll. Keine Ahnung was dann passieren würde aber mit Gas und Feuer sollte man ja grundsätzlich keine Experimente, auch im Freien nicht, machen.

Gasbüchse rein drehen und Lötlampe entzünden. Auf der kleinsten Stufe. Ich wollte mich sehr genau an das Vorgehen vom obigen Video halten.

Und so in etwa sah mein Shou Sugi Ban Übungsholzstück vor der Bearbeitung aus.

Wie im obigen Video gezeigt wird, wollte ich das Teststück erst mal sorgfältig „anrösten“. Noch nicht richtig verkohlen. Dies soll dem Holzstück noch ein wenig mehr Struktur geben.

Daher belasse ich die Lötlampe gleich mal auf der kleinsten Stufe und fahre mit der Lötlampe regelmässig über das Holzstück. Immer so lange, bis sich das Holzstück ganz wenig braun verfärbt. Shou Sugi Ban scheint gar nicht so schwierig zu sein.

Zweite Stufe im Shou Sugi Ban Verfahren

Shou Sugi Ban komplett verkohltNach dem sich das Teststück ein wenig abgekühlt hatte, zündete ich die zweite Stufe an der Lötlampe und fing an das Holzstück richtig zu verkohlen. Es sollte so weit gehen, bis sich jeweils selber die ersten Flammen bilden.

Ach ja, vielleicht noch wichtig. Verwendet irgendeine Art von Schutz für den Boden. Nicht Papier oder so aber so eine alte Terrassenbodenplatte passt perfekt für solch ein vorhaben.

Das Holzstück soll richtig verkohlt werden. Auch wenn es dann schon ziemlich verbrannt und nicht mehr brauchbar aussieht. Aber für beste Ergebnisse muss es wirklich ganz und komplett verkohlt sein. Vor dem nächsten Schritt gilt es erst mal ein wenig Pause zu machen. Für die weitere Verarbeitung, geht es dir besser wenn das Holz ausgekühlt ist.

Ran an die Drahtbürste

In diesem Schritt soll nun der verkohlte Teil rausgeputzt werden. Sämtliche Kohle zwischen den Strukturen muss raus, damit das Stück wieder mehr nach Holz aussieht. Da ich zwar als alter Elektriker schmutzige Hände gewohnt bin war, habe ich mir für diesen Arbeitsschritt so Gummihandschuhe angezogen, welche noch in irgend einem Apothkerschrank rumlagen. Kann sicher nicht schaden.

Auch hier lohnt sich eine entsprechende Unterlage einzurichten. Gibt es doch ordentlich viel Kohlenstaub, den man aus dem Holz raus kratzt. Das ganze darf dann schon mit ziemlich viel Schmackes gemacht werden. Also mit zünftig Druck arbeiten. Am einfachsten geht es natürlich, wenn man entlang der Holzstruktur arbeitet. Bei meinem Holzstück wars relativ einfach, da diese sehr grad verlaufen.

 
So sollte es nach der Drahtbürste und vor dem Schleifpapier aussehen. Ich denke, es gibt keine Regel, wie lange man mit der Drahtbürste kratzen soll. Einfach mal so lange bis man zufrieden ist mit dem Ergebnis. Kommt wahrscheinlich auch darauf an, wie fest das Holz verkohlt wird. Shou Sugi Ban ist wie vieles andere ebenfalls eine Erfahrungssache.

Nach der Drahtbürste sollte man das Holz noch mit einem feinen Schleifpapier weiter bearbeiten. In den meisten Videos und Berichten die ich gesehen und gelesen habe, stand jeweils man solle ein 220er Papier verwenden. Ich hatte nur 160er Schleifpapier. Geht natürlich auch noch. Alternativ könnte man auch eine Schleifmaschine oder ein Exzenterschleifer verwenden. Da ich aber für meine Maschine nur ein sehr grobes Papier zur verfügung hatte, mühte ich mich von Hand ab.

Doch noch etwas Chemie

Eigentlich braucht es im Shou Sugi Ban Verfahren keine Chemie um das Holz zu bearbeiten. Da ich aber halt noch ein wenig Holzklarlack rumstehen hatte, sprühte ich davon ein wenig, nur eine Schicht, über mein Shou Sugi Ban Holzübungsstück. Und ja, nach dem Klarlack glänzt das Holz natürlich noch ein wenig schöner als ohne. Bei meinem nächsten Teststück werde ich dann sicher mal auf Lack verzichten.

Finale

Und so sah dann mein Stück nach der ganzen Bearbeitung aus. Aus meiner Sicht lohnt sich der Aufwand absolut. Zumal das Shou Sugi Ban Verfahren gar nicht so viel Arbeit gibt. Der anstrengendste und mühsamste Teil ist sicher der Part mit der Drahtbürste.

Mein Shou Sugi Ban Fazit

Wie man sicher bemerkt hat, bin ich von dieser Art der Holzbearbeitung sehr angetan. Das Endergebnis sieht toll aus und es ist relativ einfach gemacht. Klar, streichen geht wohl schneller aber das kann ja jeder. Mein Aufwand für dieses Testholzstück war alles in allem wohl knapp eine Stunde (wenn man die Pausen für das abkühlen mit einrechnet).

3 Replies to “Shou Sugi Ban: Holzbearbeitung mit Feuer

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